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 Betreff des Beitrags: Die Vergangenheit vergeht nicht.
BeitragVerfasst: 30. Sep 2009, 01:33 
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1. Kapitel

Er kommt.

Die Welt ist abgründig. Entsetzlich. Sie ist entsetzlich abgründig.
Alles Andere ist eine Illusion. Eine Lüge.


Er kommt um ihn zu holen.

Er schiebt sich durch den Dschungel; Bäume, hunderte Jahre alt, bersten unter seinem Schatten.
Außer dem Krachen, Splittern und Trommeln seiner Schritte hört man nur seinen rasselnden Atem,
dessen Gestank selbst einen Bantha zu Tode gebracht hätte. Sonst gibt es keinen Hinweis auf den
bevorstehenden Schrecken.

Jedes Tier, jeder Humanoid ist geflohen. Selbst der Wind hat aufgehört zu pfeifen. Nur der Regen
prasselt rücksichtslos auf Dathomir.

Die Welt hat einen holen Kern.

Er kommt um ihn zu holen, wie jede Woche auf Dathomir. Man versucht ihn so zu besänftigen,
versucht zu bändigen seinen Trieb des Tötens. Das kleine Kind, grad der warmen Obhut der
Mutter entrissen, liegt, eingewickelt in feiner Sept-Seide, ihm präsentiert auf einem dunklen Fels.
Er kommt um ihn zu holen. In der Schneise, die er durch die wöchentlichen Gräueltaten in den
Wald gestampft hat, wird er sichtbar. Seine Füße versinken tief im aufgeweichten Erdboden,
so groß, dass in jedem dieser Abdrücke eine Großfamilie platzgefunden hätte. Der Rancor wird
schneller, als er die blasse Haut des Kindes erspäht. Geifer tropft aus seinem Maul.

Die Welt ist abgründig.

Von seinem Stamm geopfert, liegt das Kind vor dem Rancor.
Es konnte grad die Milch seiner Mutter kosten, als über sein Schicksal entschieden wurde.

Geboren in einer falschen Zeit, an einem falschen Ort.

Das Kind ist schwach und hilflos. Und vor allem ist es noch eines: Unschuldig. Wie jede Woche
greift der Rancor behutsam nach dem ihm, um es nicht schon vorher zu töten. Wie mit jedem
Kind, will er auch mit diesem spielen, bevor er es bei lebendigem Leibe verschlingt, um es in
Magensäure zu ertrinken. Doch dieses mal, das erste mal, zögert der Rancor. Die Augen des
kleinen Jungen. Sie waren anders. Rancor sind nicht die Monster für die man sie hält.
Nicht immer.
Er zögert und verspürt eine ungeheure Präsenz, die das Kind ausstrahlt. Und mit der Furcht vor
dem Kind, kommt die Wut. Die Wut ihm so ein Kind darzubieten. Seine Wut gilt den Menschen,
dem Stamm des Kindes. Der Rancor packt das Kind sanft in seine linke Klaue und rennt, von blinder
Wut gepackt durch den endlosen Dschungel, der nächstbesten Menschensiedlung entgegen, um
seinen Trieb zu besänftigen.

Friede ist eine Lüge

Doch wie es die Macht will, traf er auf den falschen Stamm. Sie waren ahnungslos und dem Zorn
des Rancors nicht gewachsen. Doch das ist kaum einer. Er brachte sie alle um. Frauen und Kinder.
Alte und Hilflose. Stolze Väter und tapfere Krieger. Knochen wurden von seinem Kiefer zu Staub
zerrieben, Rinnsale aus Blut liefen über die Erde und tränkten sie, der Boden wurde mit Innereien geschmückt.
Die Ernte des Grauen. Erst als die Sonne aufging ließ der Rancor von den Toten ab.

Und der Junge musste Alles mit ansehen.

Doch die Nacht war lang und das Kind hatte Hunger. Der Rancor spürte es und gab ihm zu essen.
So trank das Kind in der Nacht, in der es eigentlich gefressen werden sollte, das erste mal Menschenblut.
Denn in tiefster Dunkelheit zählt nur das eigene überleben.

Doch ist man einmal in tiefster Dunkelheit, vergeht diese nie wieder gänzlich.

So wuchs der Junge mit einem Rancor auf.

Der Stamm des Jungen erfuhr nie etwas von der Tragödie. So opferten sie Woche für Woche ein
weiteres Kind. Wenn Kindermangel herrschte waren es Jungfrauen oder erstgeborene Söhne.
Aber was sie nicht wussten: sie stillten damit nicht mehr den Zorn des Rancors, sondern den
Hunger des Kindes. Das Kind lernte die tiefsten Abgründe des Menschendasein kennen und verlor
jede Form von Menschlichkeit. Durch das Menschenblut wuchs in ihm ein Sprössling, ein Sprössling des
abgrundtief Bösen.

Erst 8 Jahre nach dem Vorfall sollte sich alles ändern. Zwei Jedi, Meister und
Padawan, entdeckten den Stamm des Jungen und somit seine Riten und Bräuche. So erfuhren sie
von dem Rancor. Noch am selben Tag machten sie sich auf, um den Rancor zu jagen, ihn bezahlen
zu lassen für seine Taten.

Sie fanden ihn schnell, sie mussten nur der Schneise durch den Wald folgen. Der Rancor kämpfte
um sein und des Jungens Leben, doch konnte er der geballten Kraft der beiden Jedi Nichts entgegensetzen
und so wurde er getötet, doch die schmerzhaften Erinnerungen von den Menschen an ihn blieben.
Der Junge, blind vor Wut, da man ihm seinen Vater und seinen einzigen Freund genommen hatte,
griff die beiden Jedi mit all seiner Macht an. Überrascht und geschwächt von dem Kampf mit dem
Rancor tötete der Junge den Meister. Doch der junge Padawan konnte ihn mit Hilfe der Macht zur
Besinnung bringen. Er gab ihm keine Schuld, er war immerhin noch ein Kind, ein Opfer des Bösen.

Mit der Überzeugung, dem Jungen helfen zu wollen, nahm er ihn mit sich, um ihm Sprechen und Schreiben
beizubringen, um ihn zu dem zu machen was der Padawan dachte was er ist, ein Mensch und
kein Ungeheuer. Außerdem war die Macht sehr groß in ihm, dass er ihm das Notwendigste beibrachte,
um sich in der weiten Galaxis behaupten zu können.
Er lehrte ihn schnell Lesen und Schreiben, lehrte ihn verschiedene Sprachen, lehrte ihn den Kodex der Jedi.
Bis augenscheinlich nichts mehr auf seine Vergangenheit hinwies. Er war stolz auf seinen Jungen,
vergaß dass er einen Kannibalen und Mörder vor sich hatte. So kam der Tag, an dem er ihn mit nach
Coruscant, zum hohen Rat der Jedi, nehmen wollte um ihn als Schüler vorzuschlagen.

Doch es sollte Alles anders kommen.

Denn die Gegenwart vermag die Vergangenheit nicht gänzlich zu überlagern;
mitunter treten Bruchstellen auf. Manches wird vergessen und vergeht,
und durch seinen Verfall entstehen neue Überlagerungen, weitere dünne,
brüchige Schichten auf der Oberfläche, die das darunterliegende verstecken.
Neue poröse Welten die auf den Überresten einer alten stehen. Tag für Tag,
Monat für Monat kommt Schicht um Schicht hinzu, und im Laufe der Jahre tun
sich mehr und mehr Bruchstellen auf. Nein.

Die Vergangenheit vergeht nicht.

Sie ist stets gegenwärtig, unmittelbar unter uns und wartet darauf aus uns
herauszubrechen.

_________________
Frieden ist eine Lüge

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Vergangenheit vergeht nicht.
BeitragVerfasst: 30. Sep 2009, 07:48 
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Da hat sich wer ins Zeug gelegt.

Also ich kann nur den Hut ziehen. Packend geschrieben, hast nicht vom Thema abgewichen, einfach super :D

Weiter so! Ich will mehr von deinem kleinem Racker erfahren.

Gruss, Neil

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Vergangenheit vergeht nicht.
BeitragVerfasst: 13. Okt 2009, 18:44 
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Schöne Geschichte, hat mich irgendwie stark an das Dschungelbuch erinnert, nur eben die FSK18+ Ausgabe!
Giev moar


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Vergangenheit vergeht nicht.
BeitragVerfasst: 18. Dez 2009, 06:15 
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Ich mach mich mal an Kapitel 2 :)

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